

Nele Nikolaisen
Nele Nikolaisen schreibt im und über das Grenzland – geographisch, sprachlich, historisch und existenziell. Ihre Romane sind bevölkert von eigensinnigen Häusern, versunkenen Erinnerungen und allzu menschlichen Abgründen. Sie erzählen von Menschen, die ihren Platz in der Welt suchen, von Identität und Verlust, von Scham und Begehren, von Geschichte und den Geschichten, die wir zum Überleben brauchen.
Nach langen Wanderjahren in Bonn und Wien lebt die Autorin heute wieder im hohen Norden: in der letzten kleinen Stadt vor der dänischen Grenze, wo die Menschen freundliche Augen und Lachfältchen haben.
Warum dunkle Geschichten?
Mir hat einmal jemand gesagt, meine Dunkelheit sei „zu viel“. Danach habe ich jahrelang versucht, weniger zu sein: weniger intensiv, weniger dunkel. Inzwischen denke ich: Mich muss nicht jede:r lesen. Nur die Richtigen. Und für die anderen gibt es Rosamunde Pilcher.
Warum Geschichten über Geschichte(n)?
Weil ich besessen bin von der Frage nach Autorschaft: Wer erzählt die Geschichten, nach denen wir leben? Wer schreibt unsere Rollen? Und was passiert, wenn wir beschließen, die Geschichte neu zu erzählen?
Warum Geschichten vom Rand der Gesellschaft?
Als spät diagnostizierte Autistin beobachte ich das Leben oft von den billigen Rängen. Deshalb stelle ich andere Fragen: Wem gehört Geschichte? Wer darf sie erzählen? Und wer sind jene, die in den offiziellen Geschichten vergessen wurden?
Ich bin nicht für alle. Ich bin für die,… die lächeln, wenn es regnet.… die zu den Kirchenglocken summen.… die im Nebel langsamer gehen.… die an geheime Türen klopfen.… die glauben, dass Bücher Erinnerungen trinken.… die Sehnsucht haben nach Orten, an denen sie niemals gewesen sind.
